sounding difference – Das Unübersetzbare übersetzen

In einem künstlerischen Forschungsprojekt haben Schüler* innen der Klasse 8f der Ernst-Schering-Schule Berlin-Wedding die Zwischenräume zwischen den Sprachen untersucht. Was liegt jenseits der Sprachen? Was macht dich sprachlos? Wie klingt Vielfalt? Und lässt sich das Unübersetzbare übersetzen?

Unser Alltag ist geprägt von kulturellen Transfers. Nicht immer sind diese ‚Übersetzungen‘ frei von Störungen: Auslassungen und Leerstellen, Brüche und Missverständnisse sind immer auch Teil von Austauschbewegungen. Angesichts der Vielfalt und Komplexität unserer Lebenswelt gilt es, Momente des Unübersetzbaren anzuerkennen und einen produktiven und kreativen Umgang mit Zwischenräumen zu finden.

Die Schüler*innen, die erst seit Kurzem in Deutschland lebten und lernten und ganz unterschiedliche Sprachräume und -erfahrungen mit einbrachten, haben die Lücken des Unsagbaren und Unübersetzbaren künstlerisch erforscht und mit Möglichkeiten experimentiert, diese ‚zur Sprache‘ zu bringen: als Klang, als Geräusch, als Farbe, als Gegentext.

In Resonanz auf Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in der ifa-Galerie Berlin und Expeditionen im Stadtraum entstanden Soundcollagen, die in einer zusammen mit dem freien Künstlerradio reboot.fm produzierten Radiosendung live gesendet wurden: sounding difference!

DER DUFT DER VIELFALT

Die Künstlerin Megumi Matsubara hat einen marokkanischen Olfaktor gebeten, poetische Texte in Düfte zu ‚übersetzen’. In einer unsichtbaren Installation in der Ausstellung „Carrefour / Treffpunkt – Die Marrakesch Biennale und darüber hinaus“ in der ifa-Galerie Berlin schweben und vermischen sich acht unterschiedliche Gerüche. Im Atelier übersetzten die Schüler*innen Duftnoten in Farben und Formen, Erinnerungen und Erfahrungen.

ZURÜCK-SPIELEN – ANNÄHERUNGEN AN KLANGKUNST

Emeka Ogbohs Klanginstallation in der Ausstellung PLAYBACK in
der ifa-Galerie Berlin beschäftigte sich mit
der Gründungsgeschichte der Afrikanischen Union, die unter dem Motto „Einheit in Vielfalt“ steht. Wie lässt sich dieses Motto in unsere Zeit übersetzen? Und: Wie klingt das? Auf die Stimmen der Ausstellung – politische Reden, Rezitationen, Kinderstimmen, Gesang, Vogelgezwitscher und Straßenlärm – antworteten die Schüler*innen mit eigenen Improvisationen: mit Sprache, mit Geräuschen und Musik.

Die Sprache der Gemeinschaft – EIN TAG IM THEATER X

In der Nachbarschaft der Ernst-Schering-Schule hat das Theater X seine Türen zum Miteinanderlernen und Theaterspielen geöffnet. Auch hier heißt das Motto „Einheit in Vielfalt“: CommUNITY! Wir wollten wissen: Welche Sprache spricht die CommUNITY? Was macht sprachlos? Was lässt sich mit Worten nicht sagen? Und welches Wort ist besonders, schön oder seltsam? In Interviews mit Akteur*innen der Theater X-CommUNITY haben die Schüler*innen überraschende Antworten gefunden – und aufgenommen.

IM STUDIO VON REBOOT.FM

Das freie Künstlerradio reboot.fm hat sein Studio im Haus der Kulturen der Welt. In der Radioredaktion produzierten und editierten die Schüler*innen selbst Audiodateien: Mit Mikro, Kopfhörer, Computer und Mixer wurden Moderationen eingespielt und mitgebrachte Audioaufnahmen geschnitten: eine eigene Sendung bekam Gestalt.

VOM WORT ZUM BILD – EXPERIMENTE IN DER SIEBDRUCKWERKSTATT SDW NEUKÖLLN

Wie lässt sich Sound in Text zurückübersetzen? Und wie kann Text bildhaft werden? Inspiriert von konkreter Poesie lösten die Schüler*innen Fragmente aus dem Audiofundus und setzten einzelne Wortteile und -folgen ins Bild. Im Siebdruckverfahren auf T-Shirts wurde das „Unübersetzbare“ als modisches Statement in den Stadtraum tragen.

SOUNDING DIFFERENCE: LIVE ON AIR

Wie klingt Vielfalt? Beim ‚public listening‘ in der ifa-Galerie Berlin verfolgten wir zusammen mit Gästen und Publikum die live-Ausstrahlung der Radiosendung: 10. Januar 2016, 19 – 20 Uhr Live on air: reboot.fm / UKW 88,4 MHZ

ifa-Galerie Berlin, 2015

Projektleitung: Annika Niemann und Nadin Reschke

Gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

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